Der gesunde Darm ist die Wurzel aller Gesundheit“ so oder so ähnlich lautet ein altes Zitat von Hippokrates (ca. 300 v. Chr.). Er war ein berühmter griechischer Arzt und gilt sozusagen als Urvater der modernen Medizin – und eigentlich sollte doch Gesundheit der Normalzustand sein und Krankheit der Ausnahmezustand. Aber das trifft auf die meisten Menschen nicht mehr zu. Und Altern muss ja auch nicht gleichbedeutend mit Kranksein einhergehen.

Gehen wir also gedanklich zunächst ein paar Schritte zurück, um zu verstehen, was unser Darm mit der stetig wachsenden Zahl der Autoimmunerkrankungen wie der Hashimoto-Thyreoiditis und unseren Zivilisationskrankheiten (also beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2, Herz- und Gefäßkrankheiten, Übergewicht, Allergien, Krebs, Ess- und Verhaltensstörungen, Depressionen, Angstzuständen etc.) zu tun hat.

Mittlerweile sind Autoimmunerkrankungen die dritthäufigste Erkrankungsform nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumorerkrankungen. Bei allen Erkrankungen spielt allerdings eine ganz besondere, zentrale Rolle unser Darm.

Unsere heutige Ernährung und Lebensstil

Durch meine Tätigkeit als Dozentin kenne ich viele Menschen, die sich nach bestem Wissen gesund ernähren, sporadisch oder regelmäßig Sport treiben und trotzdem entweder ständig mit ihrem Gewicht kämpfen oder mit diversen Erkrankungen, seien es nun ständig wiederkehrende grippale Infekte, Magen-Darm-Probleme, Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und verschiedene Autoimmunerkrankungen. Die meisten sind erheblich jünger als ich, so ab ca. 25 Jahren aufwärts. Es haben erstaunlich viele der Frauen eine Hashimoto-Thyreoiditis. In meinem Umfeld sind es sicher so um die 50 %, das mag natürlich Zufall sein. Im Internet und anderer Literatur stoße ich immer wieder auf die Schätzung, dass ca. 10 % der Bevölkerung an einer Hashimoto-Thyreoiditis leiden. Ich habe jedoch das Gefühl, dass es weitaus mehr Betroffene gibt, denn auch bei meiner anderen Tätigkeit, nämlich dem Schreiben von Entlassbriefen in der Geriatrischen Abteilung eines Krankenhauses, taucht in weitaus mehr Patientenbriefen die Beschreibung einer Schilddrüsenunterfunktion als die einer normalen Schilddrüsenfunktion auf.

So entstehen immer wieder aufs Neue Gespräche über das Essen und Gesundheit allgemein; an einer meiner Arbeitsstätten sitzen wir beispielsweise gemeinsam mit ca. 25 Personen in einem Schulungsraum, in diesem Raum wird auch gegessen und ich bekomme so ziemlich gut mit, was bei jedem Einzelnen auf den Tisch kommt, meistens Backwaren vom Bäcker (Vollkorn sei gesund, dunkelgebrannte Körner sind oft auch drauf) oder abgepackte Lebensmittel , Fertiggebäck, Schoko- und Müsliriegel, Süßigkeiten, Energydrinks, Softdrinks, Säfte („mit vielen Vitaminen“) vieles, was man mal so während des Lernens in sich hineinschieben kann. Joghurt gibt’s mit Frucht und einige essen auch mal Fertigmüsli mit Milch. Jeden Tag das Gleiche. Ich könnte heulen.

Ja und dann habe ich noch meine Arbeit im Krankenhaus, wo ich zuständig bin für’s Schreiben der Entlassungsbriefe in einer Geriatrischen Abteilung und seitdem ich das tue, ist mir schon bald aufgefallen, dass fast alle der Patienten einen Vitamin D3-Mangel haben, viele ebenfalls einen Vitamin B- und Folsäuremangel, sehr viele (über 30 %) eine diagnostizierte Schilddrüsenunterfunktion, Übergewicht, Diabetes mellitus, depressive Verstimmungen, (Alzheimer-) Demenz, Morbus Parkinson u. v. m. –  meistens in irgendeiner Kombination. Und diese Patienten nehmen unglaublich viele Medikamente ein, manche nur 3 bis 4 verschiedene Präparate täglich, manche 11 bis 16 verschiedene …..der grobe Durchschnitt liegt bei 7 verschiedenen Medikamenten. Einige leben alleine, gehen nur noch wenig raus, kochen nicht mehr richtig, zu essen gibt‘s einfache Fertiggerichte oder Essen auf Rädern und oft belegte Brote. Es ist zum Heulen …

Und ich arbeite auch noch in Schulen mit Kindern, meistens Fünftklässler, da variieren die Pausensnacks ebenfalls sehr stark; üblicherweise sind belegte Brote in der Dose, beigelegt oft ein süßer Riegel, bei anderen etwas Obst, wenige haben gar nichts mit und kaufen sich irgendwo Brötchen, Schoko-, Müsliriegel o. ä. und selten sehe ich Kinder, die haben eine Dose, gefüllt mit kleingeschnittener Möhre, Gurke, Paprika, Obst, Nüssen … Bisher hat sich immer herausgestellt, dass diese Kinder irgendeine Unverträglichkeit haben (Gluten oder andere Nahrungsmittel-Allergien). Die Getränke sind häufig bei einem 8-Stunden-Tag schon in der 6. Stunde aufgebraucht, Nachschub in den Schulen schwer zu bekommen. Ich könnte …

Natürlich gibt’s in dem zuvor genannten Schulungsraum genauso wie in den Räumen darüber und anderswo auch ausgesprochen gesundheitsbewusste Menschen, die sich regelmäßig bewegen und Sport betreiben, neben Obst und Gemüse besonders gerne Vollkornprodukte essen, weil sie sich gerade von Vollkornprodukten besondere Vitalität und Gesundheit erhoffen, wie ja auch die Empfehlungen der DGE (Deutschen Gesellschaft für Ernährung) und vieler Ernährungsberater lauten. Die DGE und ähnliche Institutionen raten nämlich meist, den Verzehr einfacher Kohlenhydrate in Form von Süßigkeiten und süßen Getränken zu reduzieren und stattdessen lieber mehr komplexe Kohlenhydrate zu verzehren. Weizenstärke bildet diese komplexen Kohlenhydrate…
Und auch diese Gruppe wirklich gesundheitsbewusster Menschen klagt oft über Infekte und andere gesundheitliche Beschwerden und dass die Pfunde nicht so richtig schrumpfen wollen, ein ständiger Kampf mit Auf und Ab.

Unser Darm und 100 Billionen freundliche Darmbakterien

Jeder weiß, dass alles, was wir essen durch Speiseröhre und Magen schließlich irgendwann – mehr oder minder vorverdaut – in unseren Darm gelangt und der ist beim Erwachsenen ca. 5 ½ bis 7 ½ Meter lang und besitzt – durch seine feinen Darmzotten – eine Oberfläche von rund 32 m² – und er beherbergt ca. 100 Billionen meist freundlicher Darmbakterien! Das sind ungefähr 10 x mehr als Zellen im gesamten Körper! Zu wie vielen Arten diese Mikroorganismen gehören, weiß bis zum heutigen Tage niemand. Nur einige davon sind bisher erforscht. Der Mensch ist also weniger ein Einzelwesen als eine Wohngemeinschaft für Mikroben. Diese wiederum bringen mehr als drei Millionen Gene in die Wohngemeinschaft ein – und ergänzen so das humane Erbgut um lebenswichtige Fähigkeiten. Bis vor wenigen Jahren allerdings sahen selbst die meisten Wissenschaftler in ihnen nur nützliche Verdauungshelfer, die nebenbei noch ein paar Vitamine produzieren.

Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass dieses so genannte Mikrobiom einen immensen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden hat.

Unsere Darmflora ist also nicht nur für die Verdauung entscheidend, sondern kann auch unsere Gesundheit, Nervensystem und unser Verhalten beeinflussen. Immer mehr Forschungen und Studien belegen diese Tatsache (siehe hierzu auch Quellenangaben weiter unten). Nur die Reaktionen auf diese neuen Erkenntnisse sind sehr langsam und zögerlich.

In unserem Darm befinden sich rund 80 % unseres gesamten Immunsystems!

Im gesunden Zustand schützt uns unser Immunsystem vor sämtlichen Viren, Bakterien und Parasiten etc. und diese haben kaum eine Chance, uns krank zu machen. Ist unser Immunsystem jedoch geschwächt, kann dies Auswirkungen auf alle Körperregionen und Organe haben. Bei einem schwachen Immunsystem leiden wir dann beispielsweise auch häufiger unter Erkältungen und Allergien.

Was hat nun Gluten damit zu tun?

Gluten ist ein Protein („Klebereiweiß“), das natürlicherweise in bestimmten Getreidearten vorkommt – hauptsächlich in Weizen. In unseren industriell hergestellten Lebensmitteln ist Gluten fast überall enthalten (Nudeln, Brot, diversen Fertiggerichte, Soßen, Würze, Gebäck usw.) und somit ein Hauptnahrungsmittel unserer heutigen Zeit. Gluten verhält sich ähnlich wie ein Klebstoff, damit beispielsweise das Brot nicht auseinanderfällt. Je fluffiger ein Gebäck, desto mehr Gluten ist drin. Gluten ist verantwortlich für die ausgezeichneten Back- und Verarbeitungseigenschaften. Aus Gluten entstehen auch Emulgatoren, Verdickungsmittel, Geschmacksverstärker. Man findet Gluten sogar in verschiedenen Kosmetika und Shampoo.

Hauptsächlich ist Gluten in Weizen enthalten, jedoch mehr oder minder auch in folgenden Getreidesorten:

  • Roggen
  • Gerste
  • Dinkel
  • Kamut
  • Emmer*
  • Einkorn*
  • Spelt
  • Triticale
  • Grünkern
  • Hafer (verarbeitungsbedingt, siehe unten)

Gluten findet sich daher auch in Weizenprodukten wie Bulgur, Couscous, Hart- und Weichweizengries usw. und in reinster Form in Seitan (= reines Gluten!) und natürlich in sehr vielen weiteren Lebensmitteln und Fertigprodukten. Der Hartweizen (vorzugsweise in Nudeln, Bulgur) enthält dabei weniger Gluten als der Saat- oder Weichweizen (Brot, Gebäck).

Verarbeitungs- und anbaubedingt ist Gluten durch Verunreinigungen auch in Hafer vorhanden (durch Erntemaschinen, Mühlen und Anbau auf Feldern, wo vorher anderes Getreide stand). Einige Hersteller haben bereits darauf reagiert und bieten in vielen Supermärkten und Bioläden extra glutenfreie Haferflocken an (z. B. Zarte Kölln-Flocken glutenfrei, 500 g ca. 2,79 Euro).

Folgende Getreidesorten sind glutenfrei:

  • Amaranth
  • Braunhirse
  • Buchweizen
  • Hirse
  • Mais
  • Quinoa
  • Reis
  • Teff (Zwerghirse)

Nun gibt es natürlich aus schon seit Jahrtausenden an Durchfällen, Krämpfen und Mangelerscheinungen leidende Menschen und es gab viele unterschiedliche Behandlungsversuche. Aber erst im Jahr 1953 kam der niederländische Kinderarzt Dr. Willem-Karel Dicke auf die Idee, dass eine Dünndarm-Schleimhautentzündung durch Weizen ausgelöst werden könnte. Durch Weglassen von Gluten verschwanden die Symptome.

Gluten verursacht chronische Dünndarm-Schleimhautentzündungen

Die Zahl der Menschen, die Gluten nicht vertragen und an einer Zöliakie (Sprue) leiden, steigt Jahr für Jahr weiter an. Eine Zöliakie ist eine durch Gluten hervorgerufene chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut, die sich – wie oben schon geschildert – durch Verdauungsbeschwerden und Durchfälle äußert. Aufgrund der starken Dünndarm-Schleimhautentzündung kommt es zu einer ungenügenden Aufnahme von wichtigen Nährstoffen (Eiweiß, Fettsäuren), Mineralstoffen (Eisen, Zink) und Vitaminen (B12, D, E, K, Folsäure). Und das wiederum führt zu zahlreichen weiteren Symptomen und Erkrankungen, wie z. B. Schwäche, Müdigkeit, Wachstumsstörungen, Eisen- und Folsäuremangel, Kribbeln- und Taubheitsgefühle, Hauterkrankungen – um nur einige zu nennen (einiges davon kommt Ihnen vielleicht bekannt vor, wenn Sie an einer Hashimoto-Thyreoiditis leiden).

Gluten greift die Dünndarmschleimhaut, also die Schranke zwischen Darminhalt und Körper, so an, dass durch die zerstörte Darmschleimhaut bestimmte Bestandteile des Weizens in Bereiche des Körpers gelangen können, wo sie nicht hingehören, wie beispielsweise ins Blut. In diesem Fall lassen sich bei einer Blutuntersuchung Antikörper gegen Gliadin aus Weizen (einem Einzelbestandteil des Glutens) im Blut nachweisen.

So entstehen durch eine Gluten-Unverträglichkeit eben nicht nur Durchfälle und Darmentzündungen, sondern in der Folge eine ganze Menge weiterer Krankheiten – wie schon gesagt: 80 % unseres Immunsystems sitzt in unserem Darm. Leidet das Immunsystem bzw. der Darm, leidet der ganze Mensch und es wird nach und nach zu immer mehr Beschwerden kommen. Insbesondere Zöliakie-Betroffene müssen daher Gluten ihr Leben lang komplett meiden! An einer Zöliakie kann man aber auch noch in 10, 20 Jahren erkranken. In Deutschland sollen 0,2 bis 1 % der Bevölkerung an einer Zöliakie leiden, die Dunkelziffer der Zöliakie-Erkrankten ist aber viel höher, weil sie häufig nicht erkannt wird, denn während die eine Hälfte der Betroffenen die typischen Bauchkrämpfe und Durchfälle erleiden, stehen bei der anderen Hälfte Anämie, Migräne, Arthritis, Unfruchtbarkeit, Minderwuchs (bei Kindern), Depressionen, chronische Müdigkeit, neurologische Symptome wie Gleichgewichtsstörungen und Demenz sowie eine Vielzahl anderer Symptome im Vordergrund, die erstmal nicht mit einer Zöliakie in Verbindung gebracht werden. Hier spricht man dann von einer immunologischen Gluten-Intoleranz, latenten Zöliakie oder Zöliakie ohne Darmbeteiligung. Zöliakie-Erkrankte leiden gehäuft an Autoimmunerkrankungen, z. B. rheumatoider Arthritis, Hashimoto-Thyreoiditis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Asthma u. a., außerdem besteht bei ihnen ein erhöhtes Krebsrisiko.

Das Reizdarm-Syndrom

Daneben gibt es noch die immer größer werdende Gruppe von Menschen ohne gesicherte Diagnose einer Zöliakie, die trotzdem an Magen-Darm-Beschwerden leiden, medizinisch oft als Reizdarmsyndrom bezeichnet. Subjektiv leiden diese Menschen an Verdauungsstörungen mit einem Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, einem Blähbauch und auch Aufstoßen. Von schulmedizinischer Seite wird bei ihnen die Notwendigkeit für einen Gluten-Verzicht in der Regel nicht gesehen. Den Betroffenen wird empfohlen, eben solche Speisen zu meiden, nach denen diese Probleme auftreten. Bei auftretenden Beschwerden werden ihnen u. a. Laxanzien gegen Verstopfung, Loperamid gegen Durchfall und Pantoprazol gegen Magenbeschwerden verordnet. Diese Arzneimittel gibt es sowieso alle rezeptfrei in der Apotheke und die meisten Menschen gehen recht sorglos damit um ohne zu bedenken, dass Arzneimittel und Mikronährstoffe im menschlichen Organismus die gleichen Transport- und Stoffwechselwege benutzen, damit besteht immer das Risiko für Interaktionen mit dem Stoffwechsel essenzieller Mikronährstoffe! Pantoprazol, Omeprazol, Esomeprazol (s. g. Protonenpumpenhemmer) beispielsweise hemmen ebenfalls die Aufnahme von Vitamin B12 und Folsäure; das wiederum führt zu Symptomen wie Hautblässe, Entzündungen der Schleimhäute (auch der Darmschleimhäute), Blutarmut, Müdigkeit, Leistungsabfall, Konzentrationsschwierigkeiten, Immunschwäche, Haarausfall, usw. usw.). Auch hier sind sicherlich vielen Hashimoto-Betroffenen solche Beschwerden bekannt. Eine dauerhafte Besserung der Beschwerden unter diesen Maßnahmen ist da überhaupt nicht in Sicht.

Menschen mit einer Reizdarmsymptomatik, die freiwillig auf Weizen und andere glutenhaltige Lebensmittel verzichten, erfahren eine deutlich fühlbare gesundheitliche Verbesserung. Allerdings bringt dieser freiwillige Verzicht meistens zwischenmenschliche Schwierigkeiten mit sich, denn Reizdarm-Betroffene müssen sich häufig mit ihrem Umfeld auseinandersetzen und rechtfertigen, dass sie eben nicht mal so aus einem Trend heraus, einem Hype oder Abnehm-Diät auf glutenhaltige Nahrungsmittel verzichten, sondern weil sie sich tatsächlich durch das Meiden glutenhaltiger Speisen viel besser fühlen. Wenn der Betroffene keine gesicherte Zöliakie-Diagnose aufweisen kann, fehlt das Verständnis der Masse für den freiwilligen Verzicht auf frische Brötchen und Brot, Pizza und Pasta. Schließlich essen wir alle doch Brot und da ist noch keiner dran gestorben. Das kann anfangs echt anstrengend sein.

Bei mir war es beispielsweise so, dass meine Hautärztin, nachdem sie erfuhr, dass ich mich mittlerweile schon über 3 Jahre komplett glutenfrei ernähre, einen Gluten-Bluttest machen wollte. Da ich gehört hatte, dass so ein Antikörper-Test nur Sinn macht, wenn man zuvor ausreichend glutenhaltige Speisen isst, meinte sie, das wäre ohne Bedeutung. Da dieser negativ ausfiel, erhielt ich von ihr die Aussage, ich könnte ruhig wieder normal essen, ein Verzicht auf glutenhaltige Speisen sei überflüssig und würde sich nicht positiv auf meine Gesundheit auswirken … höchstens subjektiv … da bei mir keine Gluten-Intoleranz vorliegen würde. Na ja, letzten Endes kann man das wohl so oder so sehen, meine gesündere Haut und nachwachsenden Haare, meine gesteigerte Konzentration und klarer Kopf, Rückgewinn meines psychischen Gleichgewichts, meine wiederkehrende Energie und verschwundenen Magen-Darm-Probleme, keine HNO-Infekte, keine Muskel- und Gelenkschmerzen mehr usw. Klingt schnell nach Rechtfertigung, wenn man Menschen gegenübersitzt, die das nicht für möglich halten.

Die meisten Zivilisationskrankheiten haben ihren Ursprung im Darm

Die meisten Zivilisationskrankheiten haben tatsächlich ihren Ursprung im Darm. Ich wusste das übrigens früher auch nicht – und von gesundem Essen hatte ich damals noch ganz andere Vorstellungen als heute und auch ich habe häufig Medikamente (Schmerzmittel, Magenmittel, Erkältungsmittel, Antibiotika) genommen, das war für mich völlig normal, es taten alle – mit Ausnahme meiner Mutter, die einige Nahrungsergänzungsmittel und – wenn nötig – ihre Schüssler-Salze oder Bachblüten-Therapie anwendet, und das seit über 30 Jahren.

Aber jetzt erstmal zurück zum Weizen

Unser Weizen, so wie wir ihn in Backwaren finden oder im Supermarkt kaufen, wurde vor ca. 50 Jahren durch Wissenschaftler gentechnisch und durch Kreuzungen in widerstandsfähige, schädlingsresistente Neuzüchtungen und zu Hochleistungssorten verändert. Das sichert den Erzeugern höhere Erträge und den Anbau über riesige Flächen. Die Forscher gingen davon aus, dass die Ergebnisse der Kreuzungsversuche dem Konsumenten zuträglich sein würden, weil es sich ja schließlich immer noch um Weizen handelt. Erst lange nach Einführung der Gentechnik kam man auf die Idee, die Sicherheit genetisch veränderter Pflanzen zu überprüfen und entsprechende Leitlinien zu entwickeln. Doch bis dahin war schon Jahre zuvor unfassbar häufig mit Weizen experimentiert worden.

Der moderne Superweizen

Somit ist unser Superweizen von heute gar nicht mehr mit dem ursprünglichen Weizen vergleichbar, den Oma und Opa noch in ihrer Jugend gegessen haben; er sieht zwar noch so aus (bis auf die kürzeren Halme), hat aber ansonsten nicht mehr so viel mit ihm gemein. Das Weizenprotein Gliadin ist bei diesen genetischen Veränderungen unbeabsichtigt in einen appetitanregenden Wirkstoff verwandelt worden. Außerdem lässt das im Gluten enthaltene Gliadin die Produktion des Proteins Zonulin im Darm ansteigen; je mehr Zonulin nun da ist, desto stärker durchlässig wird der Darm, und das kann  zum Leaky-Gut-Syndrom führen, Der neue, moderne Weizen enthält zudem Proteine, so genannte Lektine, welche entzündliche Reaktionen im Magen-Darm-Trakt, in den Gelenken und sogar im Gehirn fördern und somit für ein unglaubliches Ausmaß an entzündlichen Erkrankungen mitverantwortlich sind. In dem modernen Weizen ist viel mehr Gluten enthalten als früher, dadurch lässt er sich besser verarbeiten, kneten, formen oder beim Pizzabäcker hoch zur Decke werfen. Ohne Gluten würde ein Hefeteig nicht aufgehen.

Doch nicht nur die Zucht zum modernen Superweizen macht den Unterschied. Früher wurden Lebensmittel noch viel häufiger fermentiert; so wurden Vorteige für Brot angesetzt, Pastateig lange abgehangen usw. Durch diese Fermentationsprozesses wurde das Gluten größtenteils abgebaut. Übrigens: Allgemein bietet die Fermentation von Lebensmitteln unserer Gesundheit noch weitere Vorteile, doch dazu später an anderer Stelle mehr.

Nicht nur das Gluten im Getreide schadet unserer (Darm-)Gesundheit

Es gibt sehr viele wissenschaftliche Studien, die belegen, dass es neben Gluten noch weitere entzündungsfördernde Bestandteile im Weizen gibt. (Hätte ich dieses Wissen schon Jahre früher gehabt, dann hätte ich mich und meine Familie anders ernährt, meine Tochter hat einen Morbus Basedow…)

Das Weizen-Lektin WGA (wheat germ agglutinin)

Wie alle Pflanzen enthält auch Weizen sogenannte Lektine. Diese Lektine dienen den Pflanzen zum Schutz vor Schädlingen. Lektine können jedoch beim Menschen zu gesundheitlichen Problemen führen, da diese an körpereigene Strukturen andocken. Was das Gemüse anbelangt, können Sie beruhigt sein: Die meisten Gemüselektine schaden uns nicht und werden beim Kochvorgang abgebaut. Im Unterschied dazu ist das im Weizen enthaltene Lektin WGA (wheat germ agglutinin) besonders aggressiv und hitzestabil. Hinzu kommt, dass unsere modernen Weizensorten viel mehr Lektine enthalten als früher; sie wurden zum Schutz gegen Schädlinge in das Getreide reingezüchtet, um den großflächigen Anbau von Weizen in Monokulturen zu ermöglichen. Die Schädlinge sind clever und gehen da wohlweislich nicht mehr ran, sie wissen, dass ihnen das ganz und gar nicht gut bekommen würde – aber wir Menschen, wir essen Weizenprodukte in großen Mengen.

Weizen-Lektine sind unverdaulich und auch durch Erhitzen nicht zerstörbar.

Durch Erhitzen von Speisen können wir solche Weizen-Lektine nicht zerstören, obendrein sind sie unverdaulich, werden weder durch Magensäure noch Verdauung abgebaut. Sie schädigen unsere Darmschleimhaut, durchdringen die Darmbarriere (Leaky-Gut-Syndrom) und gelangen so in den Blutkreislauf bzw. ins Körperinnere. Dort führen sie zu vielfältigen Entzündungsreaktionen, sie schwächen das Immunsystem, greifen Gelenkstrukturen an, stören den Muskelaufbau, sie können sich nahezu im gesamten Körper verbreiten und heften sich an Organe wie Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse oder Gehirn. Die Gefahr für Zivilisationskrankheiten wie Arthrose, Rheuma, Alzheimer, Herzinfarkt, Krebs, Multiple Sklerose steigt – und sollten Sie bei Arthrose oder Gelenkschmerzen Glucosamin-Präparate einnehmen, verhindern die WGA sogar, dass Glucosamin seine Wirkung entfalten kann. WGA kann zu Gewichtszunahme und Insulinresistenz führen. WGA kann zu Störungen der endokrinen Funktion führen, es bindet sich auch an gutartige und bösartige Schilddrüsenknoten.

WGA auch im Fleisch getreidegemästerter Tiere

60 % des in Deutschland genutzten Getreides wird als Tierfutter eingesetzt. Nur ein Fünftel dient direkt der menschlichen Ernährung. Und im Fleisch getreidegemästeter Tiere ist das Lektin WGA ebenfalls enthalten!

Die ATI’s (Amylase-Trypsin-Inhibitors)

Unsere modernen Hochleistungs-Zuchtweizen enthalten ein weiteres Eiweißmolekül, so genannte ATI (englisch: Amylase-Trypsin-Inhibitors). Dies haben u. a. Forschungen an der Universität in Mainz (Prof. Dr. Dr. Schuppan) erbracht.

Diese ATI’s können ebenfalls zu einer Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität (NZWS) führen. ATIs gehört zu einer Gruppe von Proteinen, die in Weizen und verwandten Getreidearten vorkommen und deren natürliche Funktion u. a. in der Hemmung des Eiweißabbaus im Getreidekorn und in der Abwehr von Parasiten besteht.

Das Problem ist, dass ATI’s in der Nahrung resistent gegenüber der Proteinverdauung im Darm sind und Entzündungsreaktionen im Darm verursachen, wobei die in Weizen und anderen glutenhaltigen Getreidesorten enthaltenen ATI’s Getreidesorten stärkere Reaktionen hervorrufen als ATI’s in glutenfreien Lebensmitteln.

Gluten-Exorphine –  Gliadorphin

Daneben enthält Weizen weitere pharmakologisch aktive Proteine, die als Gluten-Exorphine und Gliadorphin bezeichnet werden. Exorphine sind Peptide, die bei der Verdauung von Eiweißen entstehen. Sie sind nicht nur für das Suchtverhalten der Brotsüchtlinge verantwortlich, sondern sie sind aufgrund ihrer anästhesierenden, opioiden Wirkung auch in der Lage, die durch WGA verursachte Entzündung zu verschleiern.

Exorphine machen süchtig und wirken im Gehirn wie Opioide.

Übrigens finden sich ähnliche Exorphine auch in anderen Nahrungsmitteln (Milch, Soja, Kakao, Kaffee etc.), auf die ich hier aber nicht eingehen möchte. Grundsätzlich sind Exorphine auch nichts Schlechtes, in der Muttermilch tragen sie zur Bindung zwischen Baby und Mutter bei (ähnlich bei Kühen etc.). Exorphine wirken in unserem Gehirn wie Opioide und tragen zu einem Gefühl der Behaglichkeit bei. So wie Endorphine dienen sie als Schmerzstiller oder Trostspender und geben uns das Gefühl, dass „alles gut“ ist und wir gut aufgehoben sind. Das erklärt auch die Tatsache, dass wir uns nach dem Schokoladegenuss besonders wohl und getröstet fühlen. Also sind sie sozusagen ein natürliches Suchtmittel, wenn auch in abgeschwächter Form, trotzdem fällt es den meisten Menschen auch aus diesem Grunde schwer, eben auf Getreide oder Milch zu verzichten.

Weizen, Kohlenhydrate und das liebe Gewicht

Wie jedes andere Getreide enthält Weizen viele Kohlenhydrate und lässt durch eine hohe Weizenzufuhr ständig Blutzucker und Insulin stark ansteigen. Ernährt man sich nun jahrelang zucker- und weizenlastig, dann entsteht eine so genannte Insulinresistenz und das vom Körper gebildete Insulin wirkt nicht mehr. Auch verursachen chronisch erhöhte Insulinwerte Entzündungskrankheiten, die u. a. Diabetes, Arthrose und Alzheimer auslösen können.

Ist Vollkorn wirklich besser?

Vollkornprodukte lassen den Blutzuckerspiegel nicht so rapide schnell ansteigen wie Weißbrot, unterm Strich ist die Blutzuckerhöhung insgesamt aber gleich. Dafür enthalten Vollkornprodukte auf Weizenbasis wesentlich mehr entzündungsfördernde WGA als helles Weizenbrot (und ich dachte früher immer, Vollkorn sei in jedem Fall besser).

Amylopektin A im Weizen

Beim Weizen liegen drei Viertel der komplexen Kohlenhydrate in Form von Amylopektin A vor. Das restliche Viertel bildet die Amylose. Beide Substanzen werden vom Speichel und dem Magenenzym Amylase zersetzt. Amylopektin A wird leicht zu Glukose abgebaut und lässt somit den Blutzuckerspiegel besonders schnell ansteigen. Amylose ist schlechter verdaulich und gelangt teilweise unverdaut in den Dickdarm.

Wussten Sie, dass Vollkornweizenbrot mit einem glykämischen Index von 72 den Blutzucker ebenso und stärker anhebt, als gewöhnlicher Haushaltszucker, der einen glykämischen Index von 59 aufweist? Und je höher der Blutzucker nach dem Essen, desto höher auch der Insulinspiegel und desto mehr Fett wird eingelagert, besonders das Bauchfett wächst. Nach ca. zwei Stunden folgt ein Zuckertief und der Magen fängt wieder an zu knurren, begleitet von Konzentrationsschwäche, Leistungsabfall, Müdigkeit … und Hungergefühl.

Je mehr Bauchfett, desto schlechter reagieren wir auf Insulin, es kommt zu einer Insulinresistenz – diese bleibt meist lange Zeit unbemerkt. Mit wachsendem Bauchumfang bei Männern wird in diesem Fettgewebe mehr Östrogen produziert, das fördert nicht nur das Brustwachstum, das Bauchfett begünstigt gleichfalls Entzündungsreaktionen und kann Herzerkrankungen und Krebs auslösen.

Erstaunlicherweise normalisiert sich bei Zöliakie-Betroffenen das Gewicht allein durch Weglassen aller Weizen- und glutenhaltigen Getreideprodukte, da durch das Weglassen von Weizen und Gluten auch das Amylopektin A entfällt.
Nicht-Zöliakie-Betroffenen profitieren hiervon ebenso – es stimmt also, dass der Verzicht auf Weizen und anderes glutenhaltiges Getreide in der Regel eine Gewichtsnormalisierung mit sich bringt. Jedoch sollten Sie stattdessen nicht auf sämtliche als glutenfrei angepriesenen Pizzen, Brote, Brötchen, Gebäck, Torten usw. stürzen.
Maismehl, Reismehl & Co. enthalten nämlich auch reichlich Kohlenhydrate. Generell gilt, industriell produzierte Lebensmittel und Getreideprodukte in Maßen und nicht täglich zu verzehren.

Buchempfehlungen:

Warum Weizen dick und krank macht. Weizenwampe

Dr. med. William Davis, ISBN 978-3-442-17358-7

Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln: Wenn Sie sich trotz normaler Blutwerte schlecht fühlen. Die 22 Muster der Schilddrüsenunterfunktion

Dr. Datis Kharazzian, ISBN: 978-3867311205

Warum die Natur uns heilen kann
Wissenschaftliche Fakten zur Entstehung von Krankheit und Gesundheit
Dr. med. habil. Dr. Karl J. Probst
Telomit GmbH, 3. Auflage 2018

Quellen:

http://www.ernaehrungsmedizin.blog/2018/02/04/amylase-trypsin-inhibitoren-wo-sind-sie-drin/ (06.10.2018)

Weizen-Amylase-Trypsin-Inhibitoren treiben die Darmentzündung durch Aktivierung des Toll-like-Rezeptors 4 an
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3526354/ (06.10.2018)

Die Opioidwirkung von Gluten-Exorphinen: asymptomatische Zöliakie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5025969/ (06.10.2018)

Prolaktin kann bei neu diagnostizierten Zöliakie-Kindern und Jugendlichen erhöht sein und nach 6 Monaten glutenfreier Diät abnehmen.
Delvecchio M, Faienza MF, Lonero A, Rutigliano V, Francavilla R, Cavallo L, Horm Res Paediatr. 2014; 81 (5): 309-13.

Was ist Zöliakie?
https://reizdarm.one/erkrankungen/zoeliakie/ (06.10.2018)

Europäisches Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e. V.: Gluten und Seitan – mit funktionalen Additiven zum chronischen Patienten, Udo Pollmer
https://euleev.de/video/475-udo-pollmer-gluten-und-seitan-mit-funktionalen-additiven-zum-chronischen-patienten

http://blog.foodlinx.de/exorphine-warum-brot-und-milch-gluecklich-machen/ (06.10.2018)

Warum die Natur uns heilen kann
Wissenschaftliche Fakten zur Entstehung von Krankheit und Gesundheit
Dr. med. habil. Dr. Karl J. Probst
Telomit GmbH, 3. Auflage 2018

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2008/daz-36-2008/protonenpumpenhemmer-und-vitamin-b12 (21.12.2018)

https://www.dr-feil.com/blog/allgemein/weizen.html (21.12.2018)

https://me-improved.de/getreide-ein-kleiner-ueberblick-gluten/ (21.12.2018)

http://www.ernaehrungsmedizin.blog/2018/02/04/amylase-trypsin-inhibitoren-wo-sind-sie-drin/ (21.12.2018)

https://german.mercola.com/sites/articles/archive/2018/04/19/reduzierung-von-lektinen-in-der-ernahrung.aspx (23.12.2018)

https://me-improved.de/getreide-ein-kleiner-ueberblick-gluten/ (21.12.2018)

https://de.wikipedia.org/wiki/Exorphine (23.12.2018)

https://de.wikipedia.org/wiki/Gliadorphin (23.12.2018)

https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/1-kg-rindfleisch (24.12.2018)

https://de.wikipedia.org/wiki/Darm#Untersuchungsm%C3%B6glichkeiten_des_Darmes (25.12.2018)

Prof. Kieran Michael Tuohy, Edmund Mach Foundation, Italy
https://www.fmach.it/eng/CRI/general-info/organisation/Chief-scientific-office/Food-quality-and-nutrition/Nutrition-and-nutrigenomics (25.12.2018)

http://www.biomedizin-blog.de/de/leaky-gut-syndrom-das-syndrom-des-loechrigen-darmes-wp261-233.html (25.12.2018)

https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/schaedliche-pflanzenstoffe-ernaehrungswissenschaftler-behauptet-beliebtes-gemuese-macht-uns-krank_id_8348490.html (29.12.2018)

http://www.biomedizin-blog.de/ (29.12.2018)

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/adipositas/article/831424/nicht-umgekehrt-uebergewicht-fuehrt-vitamin-d-mangel.html (29.12.2018)

https://sonnenallianz.spitzen-praevention.com/sonne-und-gesundheit/gesundheit-vitamin-d/vitamin-d-und/adipositas/ (29.12.2018)